Schon früh wusste ich, dass ich den Beruf des Hufschmieds erlernen wollte. Doch es kam erst alles etwas anders. Wegen Rückenproblemen während des Wachstums empfahl mir mein Hausarzt doch auf die Ausbildung als Hufschmied zu verzichten. Schweren Herzens entschied ich dann, erst eine Kaufmännische Lehre zu absolvieren. So unter dem Motto: „ Was me hät das hät me“. Rückblickend muss ich aber gestehen, dass eine Kaufmännische Grundausbildung auch für einen Hufschmied kein Nachteil ist.
Mein Ziel nie aus den Augen verlierend, kehrte ich der Bank nach drei Jahren Lehre meinen inzwischen stabilen Rücken zu und begann bei Rainer Stöckli den Beruf des Hufschmiedes zu erlernen. Sieben Jahre arbeitete ich für Rainer unter dem Bauch der Pferde. Ich erlernte eine solide Grundausbildung inklusive einer Priese Horsemanship. In all den Jahren habe ich nie erlebt, dass ein Pferd für den Beschlag sediert wurde. Auch eine Nasenbremse habe ich nie gesehen. Es hat nie ein Pferd gegeben das wir nicht beschlagen konnten. Das Wichtigste ist, erst den Charakter des Pferdes zu erörtern. Was nützt es, wenn ich einem Lausebengel immer gut zurede? Haben sie schon mal ein Pferd lachen gesehen? Ich schon! Da ist eher mal ein gutbürgerlicher berndeutscher Satz angesagt. Auf der anderen Seite gibt es sehr ängstliche Pferde die, aus welchem Grund auch immer, panische Angst vor dem Hufschmied haben. Ein falsches Wort und du kannst dein Werkzeug einpacken. Bei solchen Pferden gibt es drei Punkte zu berücksichtigen. 1. Geduld 2. Geduld und 3. Noch mehr Geduld.
Während der Zeit bei Rainer Stöckli liess ich es mir nicht nehmen auch einige Monate im Ausland zu verbringen. Immer wieder verl-iess ich die Schweiz um als Rennreiter in England, Frankreich oder Italien zu Arbeiten. Die erlernten Fremdsprachen, vorwiegend Englisch, kann ich heute gut gebrauchen. Wenn man sich als Hufschmied weiterbilden will, ist es unumgänglich dem Englischen mächtig zu sein.
Im Frühjahr 2001 erreichte ich dann mein erstes Ziel, ich wurde Selbständigerwerbender. Und wie es halt so ist, setzt man sich als selbständiger noch viel intensiver mit der Materie auseinander. Ich spürte, dass der konventionelle Hufbeschlag nicht das non plus ultra sein konnte. Es kann doch nicht sein das man heute noch nach dem selben Prinzip Pferde beschlägt wie vor eintausend Jahren. Die Pflastersteinstrassen sind verschwunden und die meisten von Ihnen brauchen das Pferd nicht um in den Krieg zu ziehen oder zur Verrichtung der täglichen Arbeit. Heute wollen wir ein langlebiges, gesundes Sport- oder Freizeitpferd. Stellen sie sich vor, die Forschung wäre im Autogewerbe oder in der Medizin stehenge-blieben. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Also machte ich mich auf neue Techniken zu erlernen um zu Beurteilen was Gut oder Schlecht für ein Pferd sein könnte. Unter anderem verbrachte ich einige Wochen in England bei der Firma Total Foot Protection wo ich zusammen mit David Nicholls arbeiten durfte. Nicholls war der erste Hufschmied der Natural Balance Shoeing nach England brachte. Zwei Tage die Woche verbrachten wir am Equine Hospital Liphook bei Vet. J.P. Walmsley einem der renomiertesten Tierärzte in Europa. In diesen Wochen habe ich über den Hufbeschlag beziehungsweise über die Biomechanik des Pferdes mehr gelernt als in all den Jahren zuvor. Ich habe gesehen was der herkömmliche Hufbeschlag an den Gliedmassen des Pferdes verursachen kann.
Heute bin ich sicher das sich Naturel Balance durchsetzen wird. Dem Pferd zuliebe.